Vorwort von Marlo Thinnes für das Konzert 2019

Klassik auf Birkhausen Rezitals & mehr
Wie alles begann...

02. Juni 2017, Hochschule für Musik Saar/Konzertsaal.
Als ich hinter der Bühe auf meinen zweiten Auftritt im Rahmen des  Beethovenmarathons - der sämtliche Klaviersonaten des grossen  Wahlösterreichers an acht Abenden zur Aufführung brachte - wartete, wusste ich
noch nicht, welche Bedeutung dieser Abend einnehmen sollte. Ich freute mich lediglich auf die gute Musik, die ich gleich vor vollem Haus spielen sollte und durfte. 

Im Saal saß Uwe Schlote, Unternehmer, Hobbygeiger und Musikliebhaber.
Nach einem erfolgreichem Konzert sammelte sich noch eine kleine Gruppe vor dem Saal und wir gingen alle gemeinsam thailändisch essen.
Durch Zufall saß Schlote im Restaurant neben mir und wir kamen schnell ins Gespräch, lernten uns etwas kennen. Sympathie auf beiden Seiten. Er lud mich und meine Familie auf sein kürzlich erworbenes und gründlich restauriertes Gestütsgehöft Birkhausen nahe Zweibrücken ein, dessen Geschichte bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts und Herzog Christian IV. von Zweibrücken zurückreicht. Selbst Friedrich der Große soll mal „Ordres“ gegeben haben, dort Zuchtpferde für seine berühmten Thrakener zu erstehen.
Ende Juli 2017 liess sich endlich ein Treffen vereinbaren und man genoss den Aufenthalt dort bei gutem Wein und Zigarren. Anekdoten bestimmten den Abend.
Schön war’s. Ich sagte aus dieser Sommerlaune heraus, dass diese historischen Mauern doch eine wunderbare Kulisse abgäben, hier « etwas zu machen… ».
« Ja, dann mach’! » waren Schlotes Worte.

Wenige Tage später telefonierten wir und schnell war klar, dass diese leichtfertig dahin gesprochenen Worte nun Gewicht bekommen sollten.
Es wurde gemeinsam ein Format entwickelt, Ideen dazu gesammelt und alles schnell präzisiert. Mitte August wurde es sehr konkret. Der Verein KaB e. V. wurde gegründet und der 08. Oktober 2017 als Datum für die erste Edition von « Klassik auf Birkhausen Rezitals & mehr» geblockt. Das Abenteuer begann.

Die Reithalle wurde als Spielstätte gewählt, da dort auf diesen 800qm Platz für mindestens 450 Zuhörer sein würde. Als ich dort die Akustik prüfte wusste ich, dass es so nicht gehen würde. 
Der Kunstsand schluckte jede musikalische Nuance.
Ein Boden musste her, um etwas mehr und hochwertigeren Klang zu bekommen. Diese 800 qm zu egalisieren und präzise mit Grobspanplatten - die grosszügiger Weise von einem Sponsor gestiftet wurden - auszulegen, entpuppte sich als echte Herausforderung, die am 07. Oktober mit « Schweiss, Blut und Tränen »
gestemmt wurde. Irrwitzig…!
Schlote half aktiv mit, und selbst ich kniete auf dem Boden und schob und drückte gemeinsam mit anderen Freiwilligen die OSB stundenlang an die richtige Stelle.

Am Vorabend des Konzertes gegen 19.00 Uhr war es dann soweit: der Boden lag, 300 Stühle sowie die Bühne samt grossem Steinway D standen und die Nervosität wuchs ins Unermessliche - trotz der unfassbaren Müdigkeit aller Beteiligten.
Werden Leute kommen? Wird dieser Rahmen, dieses Experiment von der Öffentlichkeit angenommen werden? Spielt das Wetter mit? Wird es einen Erfolg geben?

Am 08. Oktober waren wir nicht nur ausverkauft, sondern mussten sogar noch viele Stühle dazustellen, um dem enormen Andrang Herr zu werden. Selbst Stehplätze wurden genutzt.
Was für ein Erfolg, was für ein Zuspruch! Wunderbar!
Auch die Akustik konnte sich hören lassen, was mich als künstlerischen Leiter besonders beglückte. Da war es entschieden: « Klassik auf Birkhausen » war geboren.

Bei der zweiten « Edition » im Sommer 2018 hatten wir bereits 430 begeisterte Besucher, die auf diesem historischen Boden bester Musik lauschten. Es tat gut zu sehen, dass unsere Ambitionen in die richtige Richtung gehen. Und es tut gut zu sehen, dass das Interesse an hochwertiger Musik und tollen Interpreten
weiterhin besteht - trotz inflationärer und leider auch stumpfsinniger Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Grundsätzlich - aus meiner Sicht - gilt:
Konzerte, also Livemusik(en), bieten die unmittelbarste und intensivste Kommunikation zwischen Menschen - die sich in solch urigem Ambiente noch ursprünglicher überträgt.

Ich bin stolz darauf, als Mit-Initiator und künstlerischer Leiter, Teil dieser wunderbaren Sache zu sein, die jedes Jahr im sonnigen Spätfrühling ihren Platz in der Kulturlandschaft der Grossregion - und mittlerweile auch darüber hinaus - beansprucht.

Marlo Thinnes
(2. Vorsitzender und künstlerischer Leiter)
marlothinnes.com